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Testbericht: Spiegellos in die Zukunft?

Fujifilm X-T1

Fujifilm, die neue Zweitfrau?

Seit einem Jahr blicke ich nun auch durch den elektronischen Sucher der Fujifilm X-T1.
Zeit ein paar Zeilen über die Kaufentscheidung und meiner Meinung zur Kamera zu schreiben.

Warum also Spiegellos?

Gewicht (Ja, wir werden alle älter).
Mit uns, altern auch die Schultern (Ja, ich höre meine schon krachen und knacksen).
Da sollte die Zweitkamera etwas leichter und kompakter sein.

Anfangs suchte ich zur Ergänzung meiner Nikon Spiegelreflexkameras eine Alternative aus gleichnamigen Hause.
Vergeblich. Danke Nikon für das Verschlafen dieser Entwicklung (hui, jetzt wollen Sie ja doch eine Mirrorless herausbringen… #6yearstoolate).

Achja, auch bei Canon fand ich keine wirkliche Alternative. Ich hab da eigentlich keine Berührungsängste. Auch wenn ich spaßeshalber gerne die Kanoniere aufziehe.
Gut, so blieben also Sony, Olympus, Fuji und ein paar andere Hersteller übrig, die jeweils interessante Möglichkeiten anbieten.

Sony und Olympus waren vom Ergebnis (Bildqualität usw.) ebenso sehr gut.

Warum also Fujifilm?

Bedienung. Bei Sony und Olympus fühlte ich mich nicht wohl (Die Sony-Kameras haben sich diesbezüglich mittlerweile verbessert).
Die X-Serie von Fujifilm finde ich hingegen sehr intuitiv.
Natürlich ist das ein subjektiver Eindruck, aber nichtsdestotrotz kauf-entscheidend für viele von uns.
Die Bedienung ähnelt der einer Nikon Spiegelreflex in vielerlei Hinsicht, und da fällt das Umdenken zwischen den System leichter.
Neben der Bedienung ist da auch noch das Gewicht. Hab ich die Kleine mit? Man hebt die Kameratasche oder -Rucksack und fragt sich ob da alles drin ist.
Die kompakte Bauweise und das geringe Gewicht machen sich schnell bemerkbar. Bereits jetzt stelle ich erstaunt fest, wie oft die kleine Fuji mit ist, und die großen DSLRs zu Hause bleiben.

Bildqualität. Natürlich hinkt der Vergleich mit einer DSLR, aber warum nicht? Schließlich will ich ja meinen Rücken in vielen Situationen die “Große” ersparen.
Anfangs gewöhnungsbedürftig. Warum? Der Eindruck der Bilder ist oft malerisch. Manchmal habe ich den Eindruck das Bild wirke organischer.
Die Signalverarbeitung ist hier etwas “eigen”, mehr dazu ich technischeren Teil meines Blogeintrags.

Sehr positiv finde ich das Untergehen in der Menge. Man wird nicht sofort als Fotograf erkannt/wahrgenommen und es gelingen oft bessere Schnappschüsse aus der Situation heraus, als es mit den großen Kameras der Fall ist. Speziell Kinder finden die äußere Erscheinung nun nicht mehr so “einschüchternd”.
Dazu meine große Tochter: “Man sieht den Gesicht bei der kleinen Kamera”.

Hommage an die analoge Fotografie. Ich mag es wie die Fuji X-T1 und X-T2 zu bedienen sind. Blende an der Optik, Verschlusszeit am rechten Daumen, Iso am linken Daumen. Fühlt sich an wie in alten Tagen. Ebenso der Eindruck der Bilder. Fuji macht einen Wahnsinnsjob bei der Abstimmung der Profile. Bis auf Velvet (ist mir einfach zu giftig), finde ich die Farbprofile äußerst gelungen und interessant.

Ich liebe es auch das Bild schon im elektronischen Sucher so zu betrachten, wie es dann auch in die Datei gebannt wird.
Besonders toll: Das Profil auf eines der Schwarzweiß-Profile gestellt sieht man im Sucher und am Display das Sucherbild bereits in Schwarzweiß und kann nachträglich, sofern in RAW fotografiert, das Bild aber wieder in den farbigen Profilen wiedergeben. Gerade bei Architektur oder bei Personen finde ich das sehr hilfreich.

Kurz gesagt gab es mehr positive Eindrücke bei der Fuji als bei Sony und Olympus, deren Bedienung mir immer einfach nicht liegt.

Also was gefällt mir denn nun im Detail an der Fuji?

Der elektronische Sucher!

  • Schnellster EVF den ich gesehen habe
  • Einblendung von Informationen wie z.B. Histogramm
  • Schwenkt mit (Wechsel Quer- zum Hochformat)
  • Möglichkeit zum Einblenden der Bildkontrolle im EVF 0,5 Sek., 2 Sek., 4 Sek (Die Wiedergabe der Bilder im Sucher ist definitiv ein Benefit)
  • Anzeige im Sucher wenn die Optik auf unendlich fokussiert ist
  • Focus Assist blendet eine stark vergrößerte Ansicht ein. Zusätzlich können scharfe Objekte weiß, rot oder blau umrahmt werden

WiFi

  • Nützlich wenn man die Kamera mal mit dem Handy oder Tablet verbinden, und von dort aus fernsteuern möchte
  • Fujifilm Camera Remote bietet dabei Folgendes:
    • Fernsteuerung der Kamera inklusive vieler wichtigen Einstellungsmöglichkeiten
    • Bildupload zum Handy (Möglichkeit zum Einschränken der Bildgröße)
    • Kamera durchsuchen
    • Geotagging (die Kamera verwendet zum Geotagging dann die Informationen des Handy´s)
    • Manchmal beendet sich die Verbindung und muss erneut aufgebaut werden. (Edit: Mit dem letzten Firmware-Update hatte ich keinen Ausfall mehr)

 Handling

  • Weniger als die Hälfte Gewicht ist schon ein Argument
  • Die Kamera liegt erstaunlich gut in der Hand (auch wenn die Halterung des Trageriemens furchtbar positioniert ist!!!)
  • Wer schon analog fotografiert hat, findet mit dem Bedienkonzept ein vertrautes Feld
    • Blende ist mittels Ring am Objektiv einzustellen
    • Zeit ist rechts neben dem Sucher mittels Drehrad einzustellen (bequem mit dem Daumen erreichbar)
    • ISO ist links neben dem Sucher mittels Drehrad zu verstellen
    • Ein rotes A markiert hier jeweils die Automatikstellung
      • Sprich Blende A & Zeit A = Programmautomatik, Blende A & Zeit Manuell = Zeitautomatik, Blende Manuell & Zeit A = Blendenautomatik
    • Die Einstellungen können auch mit Handschuhen ohne Probleme verändert werden (großes Plus in der kalten Jahreszeit)
    • Achtung Neulinge! Es gibt keinerlei Automatiken (Makro, Landschaft, Portrait und wie sie noch alle so heißen)! Hier ist ein gewissen Basiswissen oder -verständniss notwendig
  • Die Bedienung der Kameramenüs gibt einem keine großen Rätsel auf
  • Das Quickmenü (eigener Button) bietet schnellen Zugriff auf wichtige Einstellungen und benutzerdefinierte Programme
  • Kommend von DSLRs, fühlt man sich mit dem Bedienkonzept sehr schnell wohl
  • Einziges Manko ist eine leicht spürbare Trägheit beim Fokussieren bzw. dem Auslösen der Kamera (gemessen an einer Profi DSLR)

 Auftreten

  • Man taucht leichter in der Menge unter, und wird nicht so schnell wahrgenommen, wie es mit einer DSLR und einem entsprechenden Objektiv wäre
  • Das Auslösegeräusch ist leise und bei Verwendung des elektronischen Verschlusses nicht mehr zu hören
  • Vielerorts wird man nicht sofort als “Fotograf” wahrgenommen, was oft ein Vorteil sein kann

 Bildgröße

  • Raw-Dateien sind in etwa 45 MB groß, das spart Platz und man schießt nicht immer mit Kanonen auf Spatzen (im Vergleich mit hochauflösenden DSLR´s)

 Bildqualität

  • Für eine Crop-Kamera (Verlängerungsfaktor 1,5) erstaunlich gut!
  • Rauschverhalten ist gut. Bis 1600 ISO sehr gut. Bis 3200 ISO brauchbar. Die X-T2 bietet hier nochmals verbesserte Werte (Natürlich auch abhängig von der Lichtsituation)
  • Die Auflösung ist mit 16,3 Megapixel ordentlich (der Nachfolger X-T2 hat bereits 24,3 Megapixel)
  • Der Sensor hat keinen Tiefpass-Filter sondern nutzt ein Farbfilter-Array-Design dadurch ist die Farbaufnahme deutlich “anders” als bei den anderen Herstellern

    X-Trans Sensor

    Bayer Sensor

  • Meiner Meinung nach sehen die Farben frischer und bei starker Sättigung immer noch sehr homogen aus (abgesehen von den Grün-Tönen, die mir etwas zu viel gesättigt sind)
  • Es stehen mehrere Farbprofile (Filmsimulationen) zur Verfügung
    • Provia (Standard) – Farbprofil mit normaler Farbwiedergabe
    • Velvia (vivid) – Farbprofil mit stark verstärkten Farbkontrast (puh, ist mir zu heftig)
    • Astia (weich) – Farbprofil mit sanfteren Farbkontrasten
    • Classic Chrome – klassisches Schwarz Weiß (Mit zusätzlicher Möglichkeit eines Gelb, Rot und Blaufilters)
    • Pro Negativ Standard – Schwarz-Weiß mit milden Kontrasten
    • Pro Negativ High. – kontrastreiches Schwarz-Weiß
  • Fotografiert man im RAW bleiben die Farbprofile natürlich erhalten und können in Lightroom (oder ähnlichen Programm) nachträglich geändert werden
    • Sprich man fotografier in Schwarz-Weiß (hat dass Bild natürlich auch SW im Sucher – toll, bei Architektur) und wenn einem dann doch Farbe lieber ist, wechselt man das Profil in der Bildbearbeitung
  • Langzeitbelichtungen muss man mit der Fuji nicht scheuen (gutes Stativ vorausgesetzt)!

Fazit:

Die Spiegellosen haben nun keine Revolution bei mir ausgelöst. Sie haben mir aber die Arbeit erleichtert und den Spaßfaktor an der Fotografie gesteigert.
Ich schieße bedeutend seltener mit Kanonen auf Spatzen und lasse somit die “großen” Kameras gerne mal in der Tasche…

2 thoughts on “Testbericht: Spiegellos in die Zukunft?”

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